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Psychologie / Soziale Arbeit

:"Mein Wecker klingelt, ich stehe auf und gehe ins Bad, um den Tag zu beginnen. Bei meinem Nachbarn mag das schon wieder ganz anders aussehen: Er schaltet den Wecker wieder aus und zieht sich die Bettdecke über den Kopf, um weiter zu schlafen."
Obwohl wir das für gewöhnlich als falsch ansehen, mag es für ihn die sinnvollste Reaktion auf das Klingelgeräusch zu sein die für ihn möglich ist. Seine Handlung ist durch viele vergangene, aktuelle und mögliche zukünftige Ereignisse in ihrem Ausmaß eingeschränkt.

So könnte es sein, dass ich mit Sanktionen zu rechnen habe, falls ich mich auf der Arbeit verspäte, während mein Nachbar freiberuflich ist und diesbezüglich mehr Wahlmöglichkeiten hat. Es spielt auch eine große Rolle, wie mein Nachbar es bisher gewohnt war zu reagieren und welche Erfahrung er damit gemacht hat. Möglicherweise ist er stark übernächtigt und setzt einfach andere Prioritäten. Umso mehr man über diese Hintergründe weiss, desto besser können wir einschätzen, welche Verhaltensweise unser Nachbar an den Tag legen wird.

Ganz automatisch stellen wir uns die Frage, welche Verhaltensmöglichkeiten wir haben und welche davon angemessen erscheint. Dazu können wir u.a. Vergleichsprozesse zwischen uns und anderen Personen hinzuziehen, was für gewöhnlich auf unbewußter Ebene geschieht und sich damit unserer aktiven Wahrnehmung entzieht. Die von uns wahrgenommenen Handlungsräume sind von Motiven beeinflusst. Das Motiv ist eine Verhaltensgrundlagen, die unsere Entscheidungen bei ausreichender "Dringlichkeit" und bei gegebenen Umständen auch in die Richtung des Motives lenken. Alle unsere Verhaltensweisen sind Ausdruck verschiedener, interagierender Motive und aktueller oder zukünftiger Möglichkeiten, die durch die Motive geweckten Ziele zu erreichen.
Irgendwelche Ziele haben wir natürlich immer. Hätten wir sie nicht, so wären wir handlungsunfähig, denn wir hätten keine "Ausrichtung" mehr.

Es wird deutlich, dass sich die Psychologie mit den Dingen beschäftigt, die letzendlich alle Lebensprozesse betreffen. Man könnte auch sagen: Das ganze Leben ist Psychologie.
 

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